LPI-NEWS

LED-Kunstwerk für den Kronacher Kunstverein

Für den Kronacher Kunstverein hat der Lichtkünstler Karol Hurec ein großformatiges LED-Objekt geschaffen. Es ist eine leuchtende Hommage an die Frau; ein Appell an Emanzipation und Geschlechtergerechtigkeit. Das raumfüllende Lichtobjekt bringt in Zeiten geschlossener Galerien und Museen Kunst in den öffentlichen Raum.

Wer in diesen Tagen an der Galerie des Kronacher Kunstvereins vorbeifährt oder einen Abendspaziergang macht, der sieht schon von Weitem zwei große, rot leuchtende „X“ und darüber bunt changierende und sich kontinuierlich bewegende Leuchtflächen. Das raumfüllende LED-Objekt im Glaskubus des Kunstvereins ist eine Arbeit des Lichtkünstlers Karol Hurec. Der Titel: „Hommage an Mileva Marić“. Es erzählt die Geschichte der Frau, die Zeit ihres Lebens im Schatten von Albert Einstein, ihres weltberühmten Ehemannes, stand.

Mileva Marić (1875 - 1948) war eine der ersten Frauen, die ein Mathematik- und Physikstudium an einer deutschsprachigen Hochschule aufnahmen. Und sie war die erste Ehefrau Albert Einsteins. Um ihre Person und ihren Beitrag zu den frühen Schriften ihres Mannes rankt sich bis heute eine Vielzahl von Mythen. Als vor gut drei Jahrzehnten Einsteins private Korrespondenz veröffentlicht wurde, entbrannte unter Wissenschaftshistorikern ein Streit über den Einfluss von Mileva Marić auf Einsteins Oeuvre und insbesondere auf seine 1905 erschienene spezielle Relativitätstheorie. 1919 wird Mileva von Albert Einstein geschieden. Als Teil der Scheidungsvereinbarung gesteht ihr Albert das Preisgeld des Nobelpreises zu. Mileva Marić stirbt 1948 vereinsamt in Zürich. Das Geheimnis um den Erfolg ihres Mannes nimmt die Schattenfrau mit ins Grab.

„Die Lebensgeschichte von Milena Marić hat mich zutiefst berührt. Sie steht stellvertretend für Generationen von Frauen - und sie reicht bis in die Gegenwart“, sagt der Lichtkünstler Karol Hurec. „Die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist für mich eine ganz grundlegende Frage von Existenz und Gerechtigkeit. Ich möchte mit meinen Lichtobjekten den Blick auf die Schattenfrauen richten. Frauen, die aufgrund eines überkommenen Rollenklischees und latenter Gender-Ungerechtigkeit nicht nur auf eine eigene Karriere, sondern auch auf ein eigenes Leben verzichten.“


Die Kunst von Karol Hurec, seine Malerei, seine Objekte und Installationen haben immer eine tiefe Botschaft. Mal sind es gesellschaftskritische Statements gegen die Ungleichbehandlung von Mann und Frau, mal wenden sie sich gegen Militarismus, Ausbeutung und Atomwirtschaft. Hurec bezieht sich in seiner Arbeit stets auf die Wissenschaft, auf Physik, Religion und Philosophie. Immer wieder sucht er nach dem Ursprung der Welt, ringt darum, Licht und Schatten, das Alles und das Nichts zu verstehen und sichtbar zu machen. Vor 36 Jahren, als Absolvent der Akademie der Bildenden Künste in München, malte er das „Nichts“ mit weißer Farbe auf weißem Papier. Heute beschäftigt er sich mit dem „Alles“, dem großen Ganzen, das er in seinen quadratischen LED-Objekten chiffriert. Das „X“ ist in den aktuellen Arbeiten von Hurec ein immer wiederkehrendes Element, meist mittig platziert, meist rot leuchtend. Ob er damit den Code für das weibliche Chromosom „XX“ meint, oder ob er dem Sog einer binären Weltformel (x=xn) folgt, die die digitale Welt des „Alles und Nichts“, der Nullen und Einser, erklärt - das bleibt offen.

Mit dem für ihn typischen, ästhetischen Minimalismus erfindet Hurec eine künstlerische Bildsprache für die Theorien einer immer komplexer werdenden Welt. En passent schafft er aber auch Kunst, die ganz einfach schön anzusehen ist. Eine Kunst, die das Auge verführt. Faszinierende Lichtspektakel auf monochrom gehaltenen Flächen. Pulsierendes Licht auf Schwarz, Weiß oder Gold. Arbeiten, die Hurec auch schon mal abseits schicker Galerien und cooler Interieurs auf den grob verputzten Wänden in einer der weitläufigen Stallungen auf dem Katharinen-Hof, seinem Zuhause im oberfränkischen Stockheim, Probe hängt.

Seine „Hommage an Mileva Marić“ ist das aktuelle Highlight einer Serie, die Karol Hurec den Schattenfrauen gewidmet hat. Diesmal nicht auf lackiertem Holz, sondern als freies Objekt im Raum. Rot leuchtend ist auf der einen Fensterfront ein kleineres „x“ zu sehen, das von einer dominanten Geraden zur Seite abgedrängt und in die Ecke manövriert wird; die andere Seite zeigt zwei große, prächtige „X“ - und damit vielleicht die Welt, wie sie sein sollte. Das changierende Spiel farbiger Leuchtflächen oberhalb des Objekts symbolisiert den stetigen Wandel. Wandel, der hier für Zuversicht und Hoffnung steht.



„Kunst beflügelt den Geist und ist Nahrung für die Seele. In einer Zeit, in der Galerien und Museen geschlossen bleiben müssen, muss man neue, kreative Wege gehen, um Kunst zu den Menschen zu bringen“, so Willi Karl, Vorsitzender des Kronacher Kunstvereins. „Das Lichtobjekt im Glaskubus der Galerie des Kunstvereins können alle kunstinteressierten Passanten - bei freiem Eintritt - auf sich wirken lassen. So kommt Kunst in den öffentlichen Raum.“

Das Lichtobjekt „Hommage an Mileva Marić“ ist täglich in den Abendstunden, von 18:00 bis 24:00 Uhr, beleuchtet.

Zur Person:
Karol Hurec wurde 1948 in München geboren. Nach dem Abitur studierte er an der Münchner Akademie der Bildenden Künste. Hurec lebt auf dem Katharinen-Hof in Stockheim bei Kronach. Seine LED-Arbeiten sind in renommierten Internet-Galerien und Ausstellungen zwischen München, Dresden, Berlin und London zu sehen. Vertreten wird er u.a. von Dr. Lily Fürstenow in ihrer Online-Galerie „X-treme“. In der Kronacher Hirtengasse 11 betreibt der Lichtkünstler eine eigene LED-Galerie.

Suche